PPWR-Verpackungscompliance für Online-Händler in der Europäischen Union

Die EU-Verpackungsverordnung PPWR, Verordnung (EU) 2025/40, gilt jetzt. Seit dem 12. August 2026 müssen Unternehmen, die Verpackungen auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, im neuen EU-weiten Rechtsrahmen arbeiten.

Für Online-Händler, Amazon-Verkäufer, Shopify-Marken, Hersteller, Importeure und Händler stellen sich damit praktische Fragen: Brauche ich eine PPWR-Konformitätserklärung? Ersetzt die PPWR die EPR? Welche Unterlagen brauche ich wirklich? Welche Anforderungen gelten schon, welche erst später?

Dieser Leitfaden erklärt, welche Anforderungen für Online-Händler jetzt wichtig sind, und zeigt konkrete nächste Schritte.

PPWR 2026: Was hat sich geändert?

Die Verordnung (EU) 2025/40 ist am 11. Februar 2025 in Kraft getreten. Ihr allgemeiner Geltungsbeginn ist der 12. August 2026. Die PPWR ist also nicht plötzlich im August 2026 aufgetaucht: Unternehmen hatten eine Vorbereitungszeit, und einzelne Pflichten gelten zu unterschiedlichen Terminen.

DatumWas passiert
11.02.2025Die PPWR tritt in Kraft
12.08.2026Die PPWR gilt allgemein; neue PFAS-Beschränkungen für bestimmte Lebensmittelkontakt-Verpackungen greifen
12.02.2028Frist der Kommission für die Methode zur Berechnung des Leerraumanteils bei E-Commerce-, Transport- und Umverpackungen
2030Wesentliche Anforderungen an Minimierung, Recyclingfähigkeit und Leerraum gelten gemäß den jeweiligen Vorschriften
ab 2030Weitere Anforderungen an Rezyklatanteil und Wiederverwendung werden schrittweise wirksam

Das genaue Datum einer einzelnen Anforderung sollte immer im jeweiligen PPWR-Artikel geprüft werden, da die Übergangsfristen unterschiedlich sind.

Warum wurde die PPWR eingeführt?

Laut Eurostat sind in der EU im Jahr 2023 79,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfall angefallen, das sind 177,8 kg pro Einwohner. Gegenüber 2022 ist das ein Rückgang um 8,7 kg pro Kopf, gegenüber 2013 aber ein Anstieg um 21,2 kg.

MaterialAnteil am Verpackungsabfall (2023)
Papier und Karton40,4 %
Kunststoff19,8 %
Glas18,8 %
Holz15,8 %
Metall4,9 %
Sonstiges0,2 %

Allein Kunststoffverpackungen machten 2023 35,3 kg pro Person aus, davon wurden 14,8 kg recycelt. Diese Zahlen erklären, warum die EU über Sammel- und Recyclingquoten hinausgeht und Anforderungen an den gesamten Lebenszyklus einer Verpackung stellt.

Wen betrifft die PPWR?

Die PPWR kann Hersteller, Importeure, Händler, Markeninhaber, Online- und Marktplatzhändler, E-Commerce-Unternehmen, Fulfillment-Dienstleister und alle Unternehmen betreffen, die verpackte Produkte auf dem EU-Markt in Verkehr bringen. Die Pflichten sind aber nicht für alle gleich.

Die erste Frage sollte deshalb nicht lauten: „Ich verkaufe auf Amazon, welches PPWR-Dokument brauche ich?“ Besser ist: „Welche rechtliche Rolle habe ich in Bezug auf die Verpackung und das verpackte Produkt?“ Davon hängt ab, welche Pflichten tatsächlich gelten.

Braucht jeder Online-Händler eine PPWR-Konformitätserklärung?

Nein. Das ist einer der wichtigsten Punkte für Online-Händler.

Nach Artikel 38 bezieht sich die Konformitätsbewertung auf die Anforderungen an Verpackungen aus den Artikeln 5 bis 12. Nach Artikel 39 bestätigt die EU-Konformitätserklärung, dass die Erfüllung der jeweiligen Anforderungen nachgewiesen wurde. Sie folgt dem Muster in Anhang VIII und enthält die Angaben aus Anhang VII. Mit der Ausstellung übernimmt der Hersteller die Verantwortung für die Konformität der Verpackung.

Ein Online-Händler sollte also nicht automatisch für jedes Produkt eine Konformitätserklärung erstellen, nur weil er in der EU verkauft. Zuerst sind die eigene Rolle und die konkret anwendbaren Pflichten zu klären. Mehr dazu in unserem Beitrag Wer braucht die EU-Konformitätserklärung wirklich?

Was ist eine EU-Konformitätserklärung nach PPWR?

Die EU-Konformitätserklärung ist ein förmliches Dokument, das bestätigt, dass die Erfüllung der anwendbaren PPWR-Anforderungen nachgewiesen wurde. Nach Artikel 39 muss sie:

Damit unterscheidet sie sich von einem Marketing-Zertifikat oder einer allgemeinen Lieferantenerklärung: Sie ist Teil der förmlichen Konformitätsunterlagen des Herstellers.

Brauche ich 27 PPWR-Erklärungen für 27 EU-Länder?

Nicht unbedingt. Artikel 39 verlangt nicht einfach 27 getrennte Erklärungen. Er verlangt, dass die Erklärung in der oder den Sprachen ausgestellt oder übersetzt wird, die der Mitgliedstaat vorschreibt, in dem die Verpackung in Verkehr gebracht oder bereitgestellt wird. Für Unternehmen, die EU-weit verkaufen, kann die mehrsprachige Dokumentation trotzdem schnell zu einem erheblichen Verwaltungsaufwand werden.

Was gehört in die technische Dokumentation?

Die Konformitätserklärung stützt sich auf die technische Dokumentation nach Anhang VII. Je nach Anforderung und Bewertungsverfahren gehören dazu zum Beispiel: eine allgemeine Beschreibung der Verpackung, der Verwendungszweck, Design und Zeichnungen, Materialien und Bestandteile, technische Spezifikationen, angewandte Normen, Berechnungen, Bewertungen, Prüfberichte und weitere Nachweise. Das Sammeln dieser Verpackungsdaten ist selbst ein wichtiger Teil der PPWR-Compliance.

Wie lange muss die PPWR-Dokumentation aufbewahrt werden?

Bei Einwegverpackungen sind die EU-Konformitätserklärung und die technische Dokumentation 5 Jahre ab dem Inverkehrbringen bereitzuhalten. Bei Mehrwegverpackungen sind es 10 Jahre.

PPWR und EPR: Was ist der Unterschied?

Das ist eine der häufigsten Verwechslungen im E-Commerce. PPWR und EPR hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.

PPWREPR
EU-Anforderungen an VerpackungenHerstellerverantwortung
Verpackungsdesign und MinimierungAbfallbewirtschaftung
RecyclingfähigkeitRegistrierung (in Deutschland z. B. LUCID)
KonformitätsbewertungMeldungen und Finanzierung der Entsorgung
EU-KonformitätserklärungNationale Herstellerregister

Die einfache Regel: Eine EPR-Registrierung beweist nicht automatisch die PPWR-Konformität, und eine PPWR-Konformitätserklärung erfüllt nicht automatisch die nationalen EPR-Pflichten. Oft ist beides nötig. Für Deutschland finden Sie die Einzelheiten auf unserer Seite zum Bevollmächtigten und den EPR-Pflichten.

Was bedeutet die PPWR für E-Commerce-Verpackungen?

Artikel 24 führt für bestimmte Um-, Transport- und E-Commerce-Verpackungen einen maximalen Leerraumanteil von 50 % ein. Das ist keine allgemeine Pflicht ab 2026: Die Regel gilt ab dem 1. Januar 2030 oder drei Jahre nach Inkrafttreten der entsprechenden Durchführungsrechtsakte, je nachdem, welcher Zeitpunkt später liegt. Die Berechnungsmethode muss die Kommission bis zum 12. Februar 2028 festlegen.

Leerraum ist die Differenz zwischen dem Gesamtvolumen der Verpackung und dem Volumen der enthaltenen Produkte. Papierschnipsel, Luftkissen, Luftpolsterfolie, Schaumstoff- und Schwammfüllungen, Holzwolle und Styroporchips gelten bei der Berechnung als Leerraum. Luftpolsterfolie ist damit nicht verboten, aber ein zu großer Karton wird durch mehr Füllmaterial rechnerisch nicht besser.

Sie können Ihre Verpackungen schon jetzt prüfen: Ist der Karton deutlich größer als das Produkt? Wie viel Schutzmaterial ist wirklich nötig? Erzeugen Ihre Standardgrößen unnötigen Leerraum? Richten sich die Maße nach der Logistik statt nach dem Produkt?

Und die Recyclingfähigkeit?

Die Europäische Kommission beschreibt als Ziel der PPWR, dass Verpackungen auf dem EU-Markt bis 2030 auf wirtschaftlich tragfähige Weise recyclingfähig werden. Unternehmen sollten deshalb Materialien und Materialkombinationen, Beschichtungen, Klebstoffe, Etiketten, Verschlüsse, Bestandteile, Rezyklatanteil, Gewicht und Volumen prüfen. Eine Verpackung, die heute logistisch perfekt ist, muss später unter Umständen angepasst werden.

Und PFAS?

Die PFAS-Beschränkungen gelten bereits seit dem 12. August 2026. Artikel 5 Absatz 5 begrenzt bestimmte PFAS-Konzentrationen in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt: 25 ppb für jede einzelne gezielt analysierte PFAS, 250 ppb für die Summe der gezielt analysierten PFAS und 50 ppm für PFAS einschließlich polymerer PFAS unter den Bedingungen der Verordnung. Bei Lebensmittelverpackungen sollten Sie das nicht aufschieben. Eine Selbsterklärung des Lieferanten reicht in der Regel nicht aus, nötig ist ein Prüfbericht (Certificate of Analysis) eines akkreditierten Labors. Ein Praxisbeispiel mit Glas- und Kunststoffflaschen finden Sie in unserem PFAS-Fall aus der Praxis.

PPWR-Checkliste für Online-Händler

  1. Verpackungen erfassen: Verkaufs-, Um-, Transport- und E-Commerce-Verpackung, Etiketten, Verschlüsse, Schutzmaterial.
  2. Rechtliche Rolle klären: Hersteller, Importeur, Händler oder ein anderer Wirtschaftsakteur.
  3. Verpackungshersteller ermitteln: Wenn Sie es nicht selbst sind, fragen Sie Ihren Lieferanten, welche Unterlagen vorhanden sind.
  4. Verpackungsdaten festhalten: Material, Gewicht, Maße, Lieferant, Funktion und Verwendungszweck jedes Bestandteils.
  5. EPR-Pflichten prüfen: Registrierung und Meldungen in jedem relevanten Markt.
  6. Klären, ob eine Konformitätserklärung nötig ist: Nicht jeder Händler braucht eine.
  7. Sprachanforderungen prüfen für jeden Markt, in dem eine Erklärung erforderlich ist.
  8. Künftige Anforderungen im Blick behalten: Recyclingfähigkeit, Minimierung, Leerraum, Rezyklatanteil, Wiederverwendung.

Wie erstellt man eine PPWR-Konformitätserklärung?

Zum ersten Mal? Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung durch alle 8 Punkte aus Anhang VIII erklärt jedes Feld mit Beispielen.

Wenn Ihre Rolle und die anwendbaren Anforderungen eine EU-Konformitätserklärung verlangen, muss sie Artikel 39 sowie den Anforderungen von Anhang VII und Anhang VIII entsprechen. Wer viele Produkte in mehreren EU-Ländern verkauft, merkt schnell, wie aufwendig und fehleranfällig die manuelle Erstellung ist.

Genau dafür haben wir unseren PPWR-Konformitätserklärung-Generator entwickelt. Er unterstützt alle 27 EU-Mitgliedstaaten in 28 Sprachen der Benutzeroberfläche. Jede Erklärung wird in der Amtssprache des Ziellandes gedruckt und folgt dem Aufbau nach Anhang VIII.

Wichtig: Ein Generator ersetzt nicht die Verantwortung des Herstellers, die tatsächliche Konformität festzustellen und die technische Dokumentation und Nachweise vorzuhalten.

Erstellen Sie Ihre PPWR-Konformitätserklärung strukturiert, für alle 27 EU-Länder. Erklärung erstellen →

PPWR-Compliance wird zur Datenaufgabe

Für viele Online-Händler ist das Schwierige nicht, eine Verordnung zu verstehen, sondern genaue Daten über viele Produkte aktuell zu halten: woraus jeder Bestandteil besteht, wie viel er wiegt, wer ihn geliefert hat, wo das Produkt verkauft wird, welche Unterlagen es gibt, welche EPR-Systeme und Konformitätsanforderungen gelten und welche Sprachen nötig sind. Bei 10 Artikeln geht das noch von Hand, bei 500 oder mehr als 1.000 Artikeln werden strukturierte Daten unverzichtbar. Verpackungs-Compliance wird von einer einmaligen Registrierung zu einem laufenden Datenprozess. Auch unser PPWR-Aufkleber-Generator setzt genau hier an.

Wie geht es weiter?

Der Geltungsbeginn der PPWR am 12. August 2026 ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer längeren Umsetzung. Die Europäische Kommission aktualisiert ihre FAQ und Leitlinien zur PPWR laufend, und weitere Durchführungs- und delegierte Rechtsakte werden technische Einzelheiten festlegen. Verpackungen, Lieferanten, Produkte, Märkte und Anforderungen ändern sich, und Ihre Compliance-Unterlagen müssen mitziehen.

Häufige Fragen zur PPWR

Was ist die PPWR?

Die PPWR ist die Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (EU) 2025/40. Sie schafft einen EU-weiten Rechtsrahmen für Verpackungen und Verpackungsabfälle, unter anderem mit Anforderungen an Verpackungsdesign, Minimierung, Recyclingfähigkeit, Stoffe, Kennzeichnung, Wiederverwendung und Herstellerverantwortung.

Seit wann gilt die PPWR?

Der allgemeine Geltungsbeginn ist der 12. August 2026. In Kraft getreten ist die Verordnung bereits am 11. Februar 2025.

Ersetzt die PPWR die EPR?

Nein. PPWR und EPR regeln unterschiedliche Aspekte der Verpackungs-Compliance. Unternehmen können sowohl PPWR-Pflichten als auch nationale EPR-Pflichten haben.

Braucht jeder Amazon-Händler eine PPWR-Konformitätserklärung?

Nein. Ob eine EU-Konformitätserklärung erforderlich ist, hängt von den anwendbaren PPWR-Anforderungen und der Rolle des Unternehmens in der Lieferkette ab.

Was ist die PPWR-Konformitätserklärung?

Die EU-Erklärung, dass die Erfüllung der anwendbaren Anforderungen der Artikel 5 bis 12 nachgewiesen wurde. Artikel 39 legt Aufbau, Inhalt und Sprachanforderungen fest.

Brauche ich 27 Erklärungen für 27 EU-Länder?

Nicht automatisch. Nach Artikel 39 muss die Erklärung in der oder den Sprachen ausgestellt oder übersetzt werden, die der jeweilige Mitgliedstaat vorschreibt.

Gilt die 50-%-Leerraum-Regel schon?

Nein. Artikel 24 legt den maximalen Leerraumanteil für bestimmte E-Commerce-, Transport- und Umverpackungen ab 2030 fest, oder drei Jahre nach Inkrafttreten der entsprechenden Durchführungsrechtsakte, je nachdem, welcher Zeitpunkt später liegt.

Zählt Luftpolsterfolie als Leerraum?

Für die Berechnung nach Artikel 24 ja. Die Verordnung nennt Luftpolsterfolie und weitere Füllmaterialien ausdrücklich in der Definition des Leerraums.

Ist Luftpolsterfolie damit verboten?

Nein. Die Regel betrifft die Berechnung des Leerraums und ist kein allgemeines Verbot von Luftpolsterfolie.

Wie lange muss die PPWR-Dokumentation aufbewahrt werden?

Die EU-Konformitätserklärung und die technische Dokumentation sind in der Regel 5 Jahre für Einwegverpackungen und 10 Jahre für Mehrwegverpackungen aufzubewahren.

Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zur Verordnung (EU) 2025/40 und ersetzt weder eine Rechtsberatung noch eine produktbezogene Konformitätsbewertung. Unternehmen sollten ihre Pflichten anhand ihrer Rolle, ihrer Produkte, Verpackungen und der Mitgliedstaaten, in denen sie tätig sind, prüfen.

Offizielle Quellen